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Der “Pfad der Erinnerung” ist eine Außenraumausstellung auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenburg - erinnert un verweist an ausgewählten Standorten mittels Stelen mit Text- und Bildmaterial sowie Zitaten von Zeitzeugen vna die Geschichte der Menschen, des Areals und der Gebäude zwischen 1933 und 1937. Der Pfad ist ein Projekt der Stadt Frankenberg/Sa. und wurde finanziert durch die Stiftung Sächsische Gedenkstäten aus Steuermitteln auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes. Die Ausstellung entstand unter der Beteiligung der Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg e.V. und der Geschichtswerkstatt Sachsenburg e.V.
Das Konzentrationslager Sachsenburg gehörte zu den frühen nationalsozialistischen Lagern. Von Mai 1933 bis August 1937 sperrten die Nationalsozialisten hier vor allem politische Gegner ein. Die inhaftierten Männern lebten in dem Fabrikgebäude auf engstem Raum. Sie mussten Zwangsarbeit leisten und litten unter Mißhandlungen. Mehrere Gefangene kamen zu Tode.
Nach der Machtübernahme verhafteten die Nationalsozialisten ab März 1933 ihre politischen Gegnern. Dies waren Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Sie wurden häufig in ihren eigenen Vereins- oder Parteiräumen gefangen gehalten. Aber auch alte Burgen und Fabriken dienten als Lager. In Sachsen gab es über 100 solcher frühen Konzentrationslager. Dei Wachmänner gehörten zu den Schlägertrupps der Nationalsozialisten - der “Sturmabteilung”(SA) und der “Schutzstaffel” (SS).
Die ersten 40 Häftlinge kamen am 2. Mai 1933 aus Chemnitz nach Sachsenburg. Sie waren zunächst im Schloss untergebracht. In kürzester Zeit mussten die Häftlinge die Räume im Fabrikgebäude zum Konzentrationslager umbauen. Jeden Tag brachte die SA neue Gefangene her. Die Zahl der Inhaftierten schwankte danach sehr stark. Zeitweise waren es bi zu 1.400 Gefangene, manchmal weniger als 300.
Ab Sommer 1934 übernahm die SS das Konzentrationslager. In dieser Zeit wurden die kleineren Lager im Deutschen Reich geschlossen. Sachsenburg war nun das einzige Konzentrationslager in Sachsen. Die neuen Lagerkommandanten organisierten Sachsenburg nach dem Vorbild des Konzentrationslagers Dachau. Die Häftlinge mussten länger arbeiten und häufiger zum Appell antreten. Ab 1935 galt die Prügelstrafe bei Verstößen, gegen die neue Lagerordnung.
Im September 1937 lösten die Nationalsozialisten das Konzentrationslager Sachsenburg engesperrt. Von über 7000 Gefangenen sind die Namen bekannt. Neben politischen Gegnern gehörten auch Juden, Zeugen Jehovas, Pfarrer, Homosexuelle sowie “Kriminelle” zu den Gefangenen.
“Die Gefangenen wurden im Vergleich zu anderen Lagern damals verhältnismäßig anständig behandelt; erhielten einigermaßen gutes und ausreichendes Essen. Hähnel [der erste Lagerleiter] stand auf dem Standpunkt, dass die Gefangenen - als politische Gegner - nur zu gewinnen seien, wenn sie als Menschen behandelt würden. [..] Ende 1933 bis Anfang 1934 wurden alle sächsischen Lager aufgelöst; es blieb nur noch Sachsenburg bestehen. Heute ist es das gefürchtetste Konzentrationslager Deutschlands. Dies bestätigen Gefangene und SS-Leute, die in Dachau und Lichtenburg waren.”
Hugo Gräf war von 1934 bis 1935 als Kommunist im Konzentrationslager Sachsenburg inhaftiert (Bericht von 1936).
Die SS ließ nach der Übernahme des Konzentrationslageres 1934 eine massive Betonmauer mit einem Tor bauen. Dieser Zugang zum Lager wurde ständig bewacht. Eine Fluch von Gefangenen sollte unmöglich sein. Wer das Lager betrat, musste das Tor passieren und den Wachmännern eine Genehmigung vorzeigen. SS-Männer misshandelten neu angekommene Häftlinge häufig bereits bei ihrer Aufnahme. Spuren des Tors sind bis heute am Mauerwerk des anschließenden Gebäudes der Kommandatur zu sehen.. In dem Kommnandanturgebäude befanden sich vier Arrestzellen, die bis heute erhalten geblieben sind.
"Es war Freitag, der 13. September 1935. Der Lastwagen beladen mit circa fünfzig Gefangenen, wurde das Tor des KZ Sachsenburg durchgelassen und hielt in einem großen, von einigen Gebäuden umgebenene quadratischen Hof an. Jetzt übernahmen sehr eifrige SS-Männer den Befehl: “Komm runter du Schwein! Schneller! Schneller!”. Alle hatten es sehr eilig. Bevor du überhaupt wusstest, was los ist, saßt du auf einem Stuhl, während jemand die mit einem elektrisch Rasierapparat die Haare abschnitt. Dann wurdest du zu einer Pferdetränke geführt, die mit dreckigem Wasse gefüllt war. Dort hat dir jemand den Kopf mit einer Pferdebürste geschrubbt. Blut floß in Mengen. Dann zog man sich die “Häftlingsuniform” an , eine Art Anzug aus rauem, blau und weiß gestreiftem Stoff. Danach mussten wir dastehen, mit den Händen hinter dem Nacken gefaltet, während die SS patroullierte. Die SS-Männer passten genau auf, ob irgendjemand seine Arme herunternimmt. Das wurde von ihnen als “Ungehorsam” angesehen und mit Schlägen bestraft."
Hans Cerf war von 1935 bis 1936 als Jude
im Konzentrationslager Sachsenburg inhaftiert
(Bericht von 1982)
Die Turnhalle wurde während der Zeit des Konzentrationslagers sehr unterschiedlich genutzt. Häftlinge mussten in der Halle bis zur völligen Erschöpfung Sport treiben. Auch Wachmänner machten in der Halle Sportübungen. In der Turnhalle mussten die Häftlinge auch an politischen Schulungen teilnehmen. Der erste Lagerleiter Max Hähnel dachte, dass er sie vom Nationalsozialismus überzeugen kann. Deshalb hörten die Häftlinge unter Zwang Vorträge und Radiosendungen oder lasen nationalsozialistische Zeitungen. Die Turnhalle war auch ein Ort, wo Häftlinge verhört und gefoltert wurden.
Ein Häftlingsbericht erzählt von einer Gedenkveranstaltung für Häftlinge in der Turnhalle. Am 9. November 1935 erinnerte die Lager-SS an den “Marsch auf München” - auf den Tag genau 22 Jahre zuvor. In München hatte Hitler 1923 einen Putsch gegen die Demokratie unternommen. Dieser scheiterte. 1935 misshandelte die Lager-SS an diesem Jahrestag die Gefangenen.
“Es kam für uns der bekannte 9. November. Dieser Tag wird uns ewig im Gedächtnis bleiben. Harte Stunden hatten wir den Tag. Am Abend mussten wir uns in einer Turnhalle die Feier von München anhören. Beim Einrücken in die Unterkunft wurde die Häftlinge Puchin […] herausgerissen und […] angeschrien: ‘Du Schwein lachst und uns stehen die Tränen in den Augen.’ Bereits dreimal war Puchin zu Stockschlägen verurteilt. Uns war klar, dass er nun zum vierten Mal diese Qualen […] durchzumachen hatte.”
Kurt Kohlsche war von 1935 bis 1936 als Kommunist im Konzentrationslager Sachsenburg inhaftiert
(Berich von 1948)
Im November 1974 wurde im Gebäude der ehemaligen Spinnerei (damals VEB Zwirnerei Sachsenburg) eine Dauerstellung - “Gedenkzimmer für die antifaschistischen Widerstandskämpfer des ehemaligen KZ Sachsenburg” - eingerichtet.
Die Ausstellung umfasste Dokumente und Gegenstände aus dem Lageralltag der Häftlinge. Den Besuchern wurde auch ein Dia-Ton-Vortrag über die Geschichte des Lagers und den antifaschistischen Widerstand präsentiert. Die große Mehrheit der Besucher des Gedenkraums waren Teilnehmer verschiedener Pflichtveranstaltungen, insbesondere Schulklassen und FDJ-Gruppen. Bis 1989 habe etwa 135.000 Menschen die Gedenkstätte besucht. 1990 stellte die Fabrik ihre Produktion ein und wurde von der Treuhandanstalt übernommen. Der Gedenkraum wurde geschlossen.
Quellenauszug:
Mit dem Sieg der Sowjet-Armee über den Faschismus, war der Weg zu dem glücklichen und friedlichen Leben frei gekämpft [..]. Nach hartem Kampf und schwerer Aufbauarbeit schufen die Menschen unserer Heimat, unter der Führung der Arbeiterklasse und ihre marxistisch-leninistische Partei den ersten sozialistischen Staat auf deutschen Boden - unsere Deutsche Demokratische Republik. Zu den Aktivisten der ersten Stunden gehörten viele antifaschistischen Widerstandskämpfer, die hier im faschistischen Konzentrationslager Sachsenburg gelitten und gekämpft haben. [..] Ihr Vermächtnis ist von uns, den Erben von Karl Marx in der Deutschen Demokratischen Republik erfüllt. Unter der Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands [SED} werden die Ideale der besten Söhne der deutschen Arbeiterklasse stolz verwirklicht.
Aus dem Dia-Ton-Vortrag des Gedenkzimmers (1974)
Kreisarchiv Mittelsachsen
Die ehemaligen Fabrkantenvilla diente als Wohnhaus des Kommandanten und weitere Führer des Konzentrationslagers. Ein Zaun grenzte die Villa mit ihrem Garten vom Lagergelände ab. Der Kommandant war der mächtigste Mann im Lager, er bestimmte die Haftbedingungen der Gefangenen. Aus den Fenstern der Villa blickte er auf den Appellplatz.
Der Dienst im Konzentrationslager Sachsenburg ermöglichte mehreren Kommandanten und Lagerführern eine weitere Karriere. Der este Lagerkommandant Karl Otto Koch leitete später über vier Jahre lang das KZ Buchenwald.
In der DDR zog in die Villa eine Kinderkrippe ein . Nach 1990 stand das Gebäude leer und verfiel.
“Wir waren in dem Arbeitskommando ungefähr drei Mann. Wurden wir früh abgeholt, um fünf wurden wir geweckt, marschierten wir in die Villa, […] am Wachtor vorbei, Meldung machen , wo man hinwollte, dann ging man in die Villa. In der Villa wohnten die SS-Offiziere und der Kommandant. [..] Früh wurden die Stiefel geputzt und dann war das in Ordnung. Die SS-Uniformen wurden ausgebürstet, die schwarzen Dinger. Wenn man das gemacht hatte, da war das auch in Ordnung, dann waren wir uns überlassen. Wir haben auch extra gegessen. Das was für die Offiziere gedacht war, im Kasino, da zweigten wir uns was ab.”
Erich Schade war von 1935 bis 1936 als Sozialdemokrat im Konzentrationslager Sachsenburg inhaftiert
(Bericht von 2015)
Das ‘feste Haus Sachsenburg’, aus dem in den späteren Jahrhunderten die Sachsenburg hervor gegangen ist, wurde um 1195 zur Sicherung des Erzbergbaus erbaut. Die Burg diente nach Um- uns Ausbau ab dem 15. Jahrhundert als spätgotisches Wohnschloss, später auch für Fronfeste und Gefängnis.
Am 2. Mai 1933 trafen im Schlosshof die ersten Vorkommandos für die Einrichtung des sogenannten Schutzhaftlagers in der Spinnerei Sachsenburg ein. Das Häftlingskommando hatte die Aufgabe, das Lager an der Zschopau so schnell wie möglich für die Unterbringung von 1.800 Häftlingen vorzubereiten Am 15. Mai 1933 zog das Arbeitskommando in das Fabrikgebäude, das soweit eingerichtet war, dass es die täglich neu eintreffenden Häftlingstransporte aufnehmen konnte. Nach der Verlegung der Häftlinge vom Schloss in die Spinnerei wurde in der Sachsenburg ab Juni 1933 eine Führerinnenschule der NS-Frauenschaft Sachsen untergebracht.
"Die ersten Gefangenen, unter denen ich mich befand, trafen am 2.5. 33 aus dem Lager Plaue bei Flöha in der Burg Sachsenburg ein. Zur gleichen Zeit kamen die Genossen aus Chemnitz. Gemeinsam bildeten wir das Vorkommando, welches das Lager Sachsenburg (die Spinnerei) als KZ-Lager ausbauen mussten. Am 2. Juni war es dann soweit, dass die Fabrik das offizielle KZ-Lager wurde.
Es kamen immer neue Häftlinge nach Sachsenburg, so daß die Belegung nicht unter 2000 Häftlinge kam, sondern noch anstieg. Die Stärke der SA-Bewachung betrug auf der Burg 100 Mann und erhöhte sich dann im Lager auf 500 Mann."
Hans Detzel, inhaftiert als Mitglieder der KPD im KZ Sachsenburg 1933 (Bericht nicht datiert).
Ungeachtet des Bestrebens, den Lageralltag nach außen hin abzuschirmen, bestanden zwischen dem Lager und dem wirtschaftlichen und sozialen Leben im Stadtgebiet Frankenberg enge Verflechtungen.
Die Arbeitskommandos der Häftlinge erbrachten verschiedene Leistungen für die Stadt und die umliegenden Gemeinden. In Dokumenten und Zeitzeugenberichten finden sich Spuren der Präsenz des Lagers im Leben der Stadt.
Die folgenden Standorte stehen exemplarisch für Berichte aus dem Stadtgebiet Frankenberg un gelten nicht als abschließende Aufzählung.

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:
Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945
Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.
Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/

