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Unvergessen - Franz Wiesner

(Opfer faschistischer deutscher Militärjustiz)

Franz Wiesner, geboren am 18. Mai 1902 in Kamenitz/Böhmen, wurde am  13. Februar 1945 von den deutschen faschistischen Machthabern in Berlin hingerichtet.

Als 17-Jähriger beteiligte er sich, gerade die Schlosserlehre abgeschlossen, an der Abwehraktion der Chemnitzer Arbeiterschaft gegen die einmarschierte Reichswehr am “Blutsonntag”, am 8. August 1919, und wurde wegen “schweren Landfriedensbruches” zu 9 Monaten Haft verurteilt.
Seine spätere Betätigung in der Sozialistischen Arbeiterjugend, im Arbeitersportverein “Jahn” in Chemnitz Altchemnitz, seine Mitgliedschaft in der KPD 1930 und Maßregelungen durch Beschäftigungslosigkeit blieben nicht folgenlos.
Der aus Böhmen stammende, Franz Wiener, wurde 1937 als “lästiger Ausländer" ausgewiesen. 1940 erhielt er die deutsche Staatsangehörigkeit zurück und wurde dadurch wieder "wehrtüchtig".

Dank seiner guten Sprachkenntnisse nahm er jede sich bietende Gelegenheit wahr, mit sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsverschleppten in Verbindung zu kommen, um ihr Los zu erleichtern.

Franz Wiesner erhielt 1942 den Einberufungsbefehl zum Kriegsdienst. Das rettete ihn vor einer Gefängnisstrafe, denn die Gestapo hatte in wegen "Verdachts kommunistischer Betätigung" inhaftiert und er war von einem Chemnitzer Sondergericht Gericht zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden.
Franz Wiesner wurde er im seit 1941 besetzten estnischen Reval eingesetzt.


"Feindpropaganda" unter Wehrmachtsangehörigen über die Niederlage der faschistischen Armeen bei Stalingrad, das Abhören von "Feindsendern" sowie verbotener Umgang mit sowjetischen Kriegsgefangenen führten 1943 zu einer erneuten Inhaftierung, dieses Mal während eines "Fronturlaubs". Er wurde nach Berlin-Tegel überführt und in der Militärstrafsache zusammen mit Albert Dlugosch und Alois Wiktortin wegen "Wehrkraftzersetzung" verurteilt.

In der Urteilsbegründung am 7.11. 1944 in Berlin Tegel hieß es u. a., er habe "...vorsätzlich mit Kriegsgefangenen in einer Weise Umgang gepflegt hatte, die das gesunde Volksempfinden gröblichst verletzte."

Am 13. Februar 1945 wurde das Urteil vollstreckt, wenige Wochen vor der Befreiung Berlins vom Faschismus durch die Sowjetarmee.

Ehrungen: Franz-Wiesner-Straße in Chemnitz(Ebersdorf)

Quellen/Literatur

Broschüre "Aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart meistern, die Zukunft gestalten", Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, Abt. Kultur

Broschüre "Gegen das Vergessen", VVN-BdA Stadtverband Chemnitz

PS.: Erst 1998 wurde die rechtliche Rehabilitierung der Kriegsdienstverweigerer und Wehrkraftzersetzer erreicht, im Jahr 2002 die pauschale Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure. Der Deutsche Bundestag hat am 8. September 2009 auch die wegen „Kriegsverrat“ verurteilten Opfer der NS-Wehrmachtjustiz pauschal rehabilitiert.

 

 Ehrungen: u.a.

  • Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden
  • Scharnhorst-Orden
  • Orden des Vaterländischen Krieges I. Klasse
  • Medaille "40. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945"
  • Kar-Marx-Orden

Quellen/Literatur:

  • Für Frieden und Sozialismus. Band II. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1989
  • Die Sache aufgeben, heißt sich selbst aufzugeben, das geht nicht mit mir. Erklärungen im und zum politischen Prozess vor dem Berliner Landgericht. Runge, Hamburg 1993
  • mit Erich Selbmann und Knut Holm, hrsg. von Gerhard Holtz-Baumert: Briefe aus Moabit. Spotless, Hamburg 1993
  • Zur Sache und zur Person. Erinnerungen. edition ost, Berlin 1996
  • mit Fritz Streletz: Die Verbrechen der NATO. Spotless, Berlin 2000
  • mit Fritz Streletz: Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben. edition ost, Berlin 2011
  • Rede auf der Veranstaltung des Traditionsverbandes Nationale Volksarmee am 5. März 2011 in Berlin
  • Interview: "Wir hatten entschlossene Feinde"; Über - verordneten - Antifaschismus, Verfälschung der Geschichte und die Verbreitung historischer Wahrheit, Wochenendbeilage der "jungen Welt" am 23. 01.2010, Seite1 (Beilage)
  • Solidaritätskomitee für die Opfer der politischen Verfolgung in Deutschland, Heinz Keßler zum 90. Geburtstag am 26. Januar 2010, Heft 35 der Dokumentation, Berlin c/o GRH
  • Matthias Uhl: Heinz Keßler – Honeckers politischer General. In: Hans Ehlert, Armin Wagner(Hrsg.): Genosse General! Die Militärelite der DDR in biografischen Skizzen. Ch. Links, Berlin 2003
  • Bernd-Rainer Barth, Helmut Müller-Enbergs: Keßler, Heinz. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/