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Unvergessen - Otto Grotewohl

Otto Emil Franz Grotewohl wurde am 11. März 1894 in Braunschweig geboren und erlernte das Handwerk eines Buchdruckers. Nach Abschluss der Lehre trat er dem Verband der Deutschen Buchdrucker bei.

Von 1918 bis 1922 gehörte Grotewohl der USPD an, für die er 1920 in den Landtag von Braunschweig gewählt wurde, dem er später für die SPD bis 1926 angehörte. Im Kabinett Antrick(28. März bis 22. Mai 1922) war er Minister der Ressorts Justiz und Volksbildung; im Kabinett Jasper(23. Mai 1922 bis 24. Dezember 1924) war er ab Februar 1923 Minister für Justiz. Zum 1. Oktober 1928 wurde er Präsident der Landesversicherungsanstalt. 

Am 31. Oktober 1925 rückte Grotewohl in den Reichstag nach. Mit der Reichstagswahl 1928 zog er erneut in den Reichstag ein; ebenso nach den folgenden Reichstagswahlen. Mit der gesamten SPD-Fraktion stimmte Grotewohl im Reichstag gegen das faschistische Ermächtigungsgesetz Hitlers vom 24. März 1933.

Mit dem Parteienverbot durch die faschistischen Machthaber und Entmachtung des Reichstages, musste Grotewohl 1933 Braunschweig verlassen und er zog zunächst nach Hamburg. Ab 1938 lebte er in Berlin als Lebensmittelhändler und Industrievertreter. Er arbeitete in einer Widerstandsgruppe um Erich Gniffke(ebenfalls SPD), den er aus Braunschweig kannte.  Im August 1938 wurde er verhaftet und wegen Hochverrats vor dem Volksgerichtshof angeklagt. Das Verfahren wurde nach sieben Monaten eingestellt und Grotewohl am 4. März 1939 aus der Untersuchungshaft entlassen.

Nach dem Attentat auf Hitler am 8. November 1939 durch Georg Elser im Bürgerbräukeller wurde er wiederum verhaftet und saß etwa acht Wochen in Untersuchungshaft. Nach seiner Entlassung arbeitete Grotewohl wieder in Berlin als kaufmännischer Angestellter, daneben widmete er sich in seiner Freizeit vermehrt der Malerei(1944/45 entstand u. a. ein Zyklus von acht Ölgemälden Menschen der Stille). Als er nach dem 20. Juli 1944 angesichts der Aktion "Gewitter" befürchtete, erneut verhaftet zu werden, tauchte er für einige Wochen mit Hilfe von Freunden unter. 

Am 17. Juni 1945 unterschrieben Otto Grotewohl, Erich Gniffke, Max Fechner, Gustav Dahrendorf und Hermann Harnisch den Gründungsaufruf für die SPD in Berlin. Grotewohl wurde Vorsitzender des Zentralausschusses der SPD in der Sowjetischen Besatzungszone(SBZ) und führender Befürworter einer Vereinigung von KPD und SPD. Der Vereinigungsparteitag zur SED fand am 22. April 1946 im Admiralspalast statt. Vorsitzende wurden Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck.

Im Jahr 1948 wurde Grotewohl Vorsitzender des Verfassungsausschusses des Deutschen Volksrates.

Nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 wurde Otto Grotewohl ihr Ministerpräsident. 

Im Juli 1950 war Grotewohl Mitglied der Delegation, die das Görlitzer Abkommen über die Anerkennung der Oder-Neise-Grenze als „Staatsgrenze zwischen Deutschland und Polen“(Oder-Neise-Friedensgrenze genannt) unterzeichnete. Im Jahr 1957 befürwortete er den Rapacki-Plan für eine atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa.

Wegen schwerer Erkrankung zog Otto Grotewohl sich 1960 aus dem politischen Leben zurück. Er starb 1964 an den Folgen eines Schlaganfalls. Seine Otto Urne wurde im Mittelrondell der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde bestattet.

Ehrungen

Otto Grotewohl war Träger des Leninordens, des Karl-Marx-Ordens, des Vaterländischen Verdienstordens der DDR in Gold.

Ehrenbürger der Stadt Dresden.

Die Deutsche Post der DDR gab 1974 eine Sondermarke in der Serie Persönlichkeiten der deutschen Arbeiterbewegung heraus.

In der DDR trugen zahlreiche Straßen und Plätze – darunter der Ostberliner Abschnitt der Wilhelmstraße in Berlin Mitte – seinen Namen, ebenso wurden öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kasernen oder das "Otto-Grotewohl-Stadion" in Aue nach ihm benannt.

Dem Kombinat "Otto-Grotewohl" in Böhlen wurde bei seiner Überführung in Volkseigentum im November 1952 sein Name verliehen. Grotewohl besuchte mehrfach dieses Werk. 

Nach 1990 wurden die meisten dieser Namensgebungen getilgt, bis heute geblieben sind nach Otto Grotewohl benannte Straßen in Lübbenau/Spreewald, Mittenwalde, Neuruppin sowie Strausberg. 

Darstellungen in der bildenten Kunst(ausgewählt)

Bert Heller: Bildnis Otto Grotewohl (1964, Öl, 100 × 70 cm)

Otto Oettel: Otto Grotewohl (1952, Porträtbüste, Gips)

Willi Warschowske: Otto Grotewohl (1953, Öl; Deutsches Historisches Museum)

Quellen/Literatur

Die Verfassung der Gemeinden und Kreise im Freistaat Braunschweig. Zweite, neu bearbeitete und ergänzte Auflage, Braunschweig 1928.

  • Dreissig Jahre später. Die Novemberrevolution und die Lehren der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Dietz, Berlin 1948.
  • Gedanken zur Kultur. Werden und Wirken, Weimar 1949.
  • Die Rolle der Arbeiter- und Bauernmacht in der Deutschen Demokratischen Republik. Referat auf der 3. Parteikonferenz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin, 24. bis 30. März 1956. Dietz, Berlin 1956.
  • Im Kampf um die einige Deutsche Demokratische Republik. Reden und Aufsätze. 6 Bände. Berlin 1959–1962.
  • Über Politik, Geschichte und Kultur. Ausgewählte Reden und Schriften 1945–1961. Dietz, Berlin 1979.
  • Skizzen, Zeichnungen, Aquarelle, Gemälde. Dietz, Berlin 1984.
  • Monika Kaiser, Helmut Müller-Enbergs:Grotewohl, Otto Emil Franz. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010
  • Matthias Loeding: Zwischen Führungsrolle, Konfrontation und Kooperationswillen. Der Zentralausschuss der SPD und das Büro Schumacher in Hannover im Vorfeld der Wennigsener Konferenz. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Band 48, 2006 (2008)
  • Matthias Loeding: Von der Wennigsener zur 1. Sechziger Konferenz. Der Zentralausschuss der SPD im Kampf um seine Eigenständigkeit. Kovac, Hamburg 2005
  • Matthias Loeding: Otto Grotewohl kontra Kurt Schumacher. Die Wennigsener Konferenz im Oktober 1945. Kovac, Hamburg 2004
  • Matthias Loeding: Erste politische Akzente der Berliner SPD nach dem Zusammenbruch: Die Rede Otto Grotewohls auf der ersten Nachkriegsfunktionärskonferenz der SPD am 17. Juni 1945 in Berlin. In: Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Band 45, 2003
  • Wolfgang Triebel: Gelobt und geschmäht. Wer war Otto Grotewohl? Aufsätze und Interviews mit Zeitzeugen. Trafo-Verlag Weist, Berlin 1998
  • Markus Jodl: Amboß oder Hammer? Otto Grotewohl; eine politische Biographie. Aufbau-Taschenbuch, Berlin 1997

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/