Lieber Hans,
ich erinnere mich noch ziemlich genau an unser erstes Treffen in Chemnitz. Wir kannten uns nicht, ich der junge stellvertretender Vorsitzender des VVN, Du der alte Historiker aus Zschopau. Respekt einflösend war Dein Auftreten, Deine Sprache voll Kraft, Ziele klar formulierend, sicher, daß Du alles erreichen wirst, was Du Dir vorgenommen hattest. Ein Projekt, daß mit Wahnsinn hätte umschrieben werden können, für Dich eine einfache Notwendigkeit. Der Historische Atlas für unser Sachsen für die NS-Zeit mußte einfach ehrenamtlich entstehen, weil der Staat versagte. Wir trugen das Anliegen gemeinsam vor und die Hände wurden über dem Kopf zusammengeschlagen. Wenige Wochen später waren die Hände rührig, lagen nicht im Schoß und Deine Arbeitsgruppe stand Dir zur Seite, viele Jahre akribisch. Euer Werk ist Hinterlassenschaft für Generationen, damit Nichts in Vergessenheit gerät.
So blieben wir in Verbindung, gemeinsame Projekte wurden in die Tat umgesetzt, Astra-Gedenken – Todesmärsche – Frühe KZ – Gedenkort Lager-Landgraf...alles Dein und unser Verdienst. Tag und am Abend spät konnte ich Dich erreichen, nachfragen, hinterfragen, Deine liebe Frau zunächst am Telefon, stets eine herzliche Begrüßung und ein echtes Fragen, nach Gesundheit und Befinden. Deine Vorträge fesselten Zuhörer aller Generationen, denn Du hattest aus eigenem Erleben berichten können, eigener Wandel und konsequentes Handeln und Umdenken bestimmten den Start nach dem Faschismus in den Du hineingewachsen warst, Elite-Schüler einer NAPOLA, Soldat. Glaubwürdigkeit zeichnete Dich aus und Humor bei aller schwere der Themen Deiner Agenda.
Ich erinnere mich gern zurück, wenn es Gelegenheit gegeben hatte, euch gemeinsam zu treffen, unter Freunden zu sein, mit Rainer, Dietmar und Justin, Deine Frau bereicherte jede Unterhaltung.
Die Ehrungen für Deine Werke kamen spät, Du hast sie nicht gebraucht und doch waren sie wichtig, Dein Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen.
Hab Dank für Alles. Wir machen weiter, Du bist stets dabei und Deine Frau natürlich, wir werden von euch berichten, wenn wir von unserer Arbeit erzählen, die ohne euch, so nicht möglich gewesen wäre.
Enrico
Chemnitz, den 20. April 2026



