Víctor Lidio Jara Martínez wurde am 28. September 1932 in Longuén bei Santiago de Chile geboren und war Sänger, Musiker und Theaterregisseur.
Am 12. September 1973 wurde er von putschenden Militärs verhaftet und vier Tage später ermordet.
Seine Eltern stammten aus Landarbeiterfamilien. Als er 15 Jahre alt war, starb die Mutter und Víctor Jara brach seine Lehre ab. Er begann Theologie zu studieren. Dies brach er ab, da er den Glauben an die Religion verloren hatte. Nunmehr gründete er mit Freunden das Musikensemble Cuncumén und widmete sich dem Studium der chilenischen Volksmusik. Auch entwickelte er Interesse am Theater und begann ein Schauspielstudium.
Die Begegnung mit der Sängerin Violeta Parra bedeutete seine Wende hin zur Musik. Sie war eine begnadete Künstlerin, die die volkstümliche chilenische Musiktradition pflegte. und ein kleines Café in Santiago führte. Beeinflusst wurden seine Lieder u. a. von Erlebnissen, die er auf einer Tournee seiner Santiagoer Theatertruppe in sozialistische Länder gesammelt hatte. Als eine der teilnehmenden Darstellerinnen erkrankt war, war Jara mit seiner Gitarre eingesprungen und vom russischen Publikum gefeiert worden. Daraufhin hatte er in Moskau sein erstes Lied,El cigarrito, komponiert.
Nach 1970 konzentrierte er sich ganz auf die Musik. Seine Lieder handelten von einfachen Leuten, ihrem Leben und ihren Problemen, von sozialer Ungerechtigkeit und politischen Skandalen. Víctor Jara wurde ein bedeutender Vertreter der Nueva canción, des „neuen Liedes“ in Südamerika. Seine politischen Ideen bildeten den Kern seiner Liedtexte. Er war wie viele progressive Sänger Südamerikas überzeugter Kommunist und wurde Leiter der Künstlersektion der kommunistischen Partei Chiles. Mit weiteren Künstlern gab er Konzerte zugunsten Salvador Allendes und der Unidad Popular.
Vom Gefolge des von Pinotchet angeführten und von den USA(CIA) unterstützten Militärputsches wurde Víctor Jara am 12. September 1973 im Hof der Universität von Santiago, an der er unterrichtete, festgenommen. Zusammen mit Dozenten und Studenten wurde er in das Estadio Chile verbracht und gefoltert. Unter diesen Umständen entstand sein letztes bekanntes Gedicht, Somos cinco mil („Wir sind fünftausend“). Seine Peiniger brachen ihm die Hände, damit er nicht mehr Gitarre spielen konnte. Als ihm wachhabende Soldaten befahlen, er solle doch singen, wenn er ein Sänger sei, stimmte er Venceremos(„Wir werden siegen“), das Lied der Unidad Popular, an; daraufhin wurde er erneut misshandelt und mit 44 Gewehrschüssen ermordet.
Im September 2003, zum 30. Jahrestag seiner Ermordung, wurde das Estadio Chile offiziell in Estadio Victor Jara umbenannt.
Erst am 9. Dezember 2004 erhob der Richter Juan Carlos Urrutia in Santiago Anklage gegen den pensionierten Oberst Mario Manríquez Bravo. Bis 2018 folgten weitere Prozesse.
Quellen/Literatur
- Joan Jara: Das letzte Lied. Das Leben des Victor Jara. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2000
- Joan Jara: Victor. Ein unvollendetes Lied. Verlag Volk und Welt, Berlin
- Joan Jara: Victor Jara – Chile, mein Land, offen und wild. Sein Leben. Rowohlt, Reinbek 1987
- Bernd Rexing: Vor 35 Jahren: Volkssänger Victor Jara ermordet aufgefunden in ZeitZeichen. 16. September 2008



