Folgen Sie uns:

Unsere Nachrichten

Endlich, nach 80 Jahren der Befreiung des KZ Buchenwals, ein Denkmal für Hans Eiden, dem Lagerältesten, in Trier!

| VVN BdA Chemnitz

(Erfolg im unermüdlichen Kampf - Arbeitskreis »Trier im Nationalsozialismus« der AG Frieden e. V.)

In Trier wird am 7. Dezember um 11 Uhr ein Denkmal für den Kommunisten Hans Eiden eingeweiht.

75 Jahre nach dem Tod des letzten »Lagerältesten« des KZ Buchenwald, der wesentlich zur Rettung tausender Menschenleben beigetragen hat und am 11. April 1945 vom Torgebäude aus die Worte »Kameraden, wir sind frei« ins Lager rief. 

Zur Einweihung des Denkmals auf dem Hauptfriedhof haben sich Oberbürgermeister Wolfram Leibe und die ehemalige Ministerpräsidentin Malu Dreyer angesagt. Die Stadtverwaltung hat das Vorhaben unterstützt. Angeregt hat es Daniel Klasen, der Friedhofsmeister der Stadt Trier, der in alten Unterlagen auf die ungefähre Lage des schon vor langer Zeit aufgelösten Grabes von Hans Eiden gestoßen ist. Umgesetzt hat es eine Arbeitsgruppe aus Herrn Klasen, Aktiven des Arbeitskreises »Trier im Nationalsozialismus« der Arbeitsgemeinschaft Frieden und der Jüdischen Gemeinde Trier. Das Denkmal geschaffen hat der Künstler Toni Schneider.

Als prominenter lokaler KPD-Funktionär wurde er auf dem ersten Platz der KPD-Liste 1947 in den Landtag von Rheinland-Pfalz gewählt, ist bei Wahlkämpfen aufgetreten und bei Veranstaltungen der VVN. Als er 1950 starb, hatte der Kalte Krieg begonnen. 1956 kam das KPD-Verbot. Damals sind Kommunisten, die von den Faschisten verfolgt worden waren, sogar Opferrenten und Wiedergutmachungszahlungen aberkannt worden. Interesse an einer Ehrung von Kommunisten gab es damals und in den folgenden Jahrzehnten in der Bundesrepublik Deutschland nicht.

Erst Ende der 80er Jahre erinnerte man sich wieder an Eiden. Da spielte auch die Städtepartnerschaft mit Weimar eine Rolle, wo unter anderem eine Schule nach ihm benannt war. Die hat den Namen nach 1990 übrigens abgelegt! 1993 hat eine Historikerin der Universität Trier den Auftrag bekommen, zum Leben von Eiden zu recherchieren. Man hat da unter anderem festgestellt, dass Eiden bei überlebenden Häftlingen hoch angesehen war.  Seit 1995 gibt es eine kleine Stele in einer Nebenstraße, in der sein Geburtshaus stand. 2014 hat ihn die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem geehrt, und 2020 ist in Trier-Nord, wo Eiden politisch aktiv war, ein Platz nach ihm benannt worden.

Hans Eiden hat sich nach 1933, als er kurz in sogenannter Schutzhaft war, weiter für die KPD betätigt. 1936 gab es einen großen Prozess gegen 36 KPD-Mitglieder aus Trier, der in Hamm stattfand. Eiden bekam drei Jahre Zuchthaus. Die hat er abgesessen und ist dann wenige Monate nach seiner Entlassung 1939 nach Buchenwald verschleppt worden. Seit Ende 1944 war er dort als Lagerältester so etwas wie der Chef der Häftlinge, die innerhalb des Lagers Funktionen ausübten, und musste deren Tätigkeit gegenüber der SS-Kommandantur verantworten. Die KPD hat systematisch versucht, diese für das Überleben aller Häftlinge wichtigen Posten mit eigenen Leuten zu besetzen. Am 11. April 1945 hat Eiden, als er vom bevorstehenden Abzug der SS erfahren hatte, das illegale Lagerkomitee informiert, das dann die Widerstandsgruppen mobilisierte und die zuvor beschafften Waffen verteilte. Eiden war bei der Gruppe, die am Nachmittag das Torgebäude besetzte. Über die Lautsprecheranlage rief er dann: »Kameraden, wir sind frei. Die SS ist geflohen. Haltet Ruhe im Lager, wir geben euch weitere Informationen.«

Er hat dafür gesorgt, dass die gefangengenommenen Angehörigen der Wachmannschaft den US-Truppen übergeben wurden und keine Selbstjustiz stattfand. Ein US-Offizier hat Eiden als Lagerältesten bestätigt. Er hat sich nach der Befreiung vor allem um die Organisation der Versorgung und die Entlassung der Überlebenden in ihre Heimatländer gekümmert. Wenn man die »Schutzhaft« und das Zuchthaus mitzählt, war er rund zehn Jahre inhaftiert.

Hans Eiden ist im Trierer Krankenhaus gestorben, als Todesursache wurde Lungentuberkulose angegeben.

(Quelle: junge Welt, Nico Popp)

Zurück
Foto Hans Eiden

Jahresnachrichten

Buchankündigung: Wie Lämmer zur Schlachtbank?

Am nachfolgend vorgestellten Buch arbeiteten auch Mitglieder unseres Vereines mit. Wir möchten es an dieser Stelle gerne mittels der Verlagsankündigung vorstellen:

Bertram Seidel, Gabriele Seidel, Enrico Hilbert (Hrsg.)
Wie Lämmer zur Schlachtbank?
Jüdischer Widerstand und Verweigerung aus der jüdischen Bevölkerung in Sachsen gegen da NS-Regime 1933-1945

Das Buch erhebt hinsichtlich der erörterten Thematik weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf theoretischen Tiefgang. Ihr Hauptanliegen besteht vielmehr darin, anhand des Verhaltens konkreter Personen einen Eindruck vom Ausmaß resistenten Handelns aus der jüdischen Bevölkerung eines räumlich klar definierten Territoriums des Deutschen Reiches gegen das Herrschaftssystem der Nazis zu vermitteln und damit der in verschiedenen Milieus noch immer stark verbreiteten Pauschalansicht, die Juden hätten sich nich gegen das Hitlerregime und damit gegen ihr Verderben gewehrt, handfeste Tatsachen entgegenzusetzen. Bekanntlich wurde dieser Aspekt der Holocaust-Gesamtthematik zumindest im deutschsprachigen Raum über lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelt und darüber hinaus von einigen Historikern wie beispielsweise Raul Hilberg in seiner 1992 erschienenen Publikation „Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933 bis 1945“ in der Vergangenheit auch verzerrt dargestellt.

Interessierte können das Buch direkt beim Verlag bestellen. >>> https://www.edition-av.de/