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Sonntag, 30.11.2008 17:03 Alter: 3 Jahr/e
Kategorie: Neueste Nachrichten aus dem VVN-BdA Chemnitz
Von: Paul Jattke, Enrico Hilbert

Stolpersteine mahnen auch zur Eintracht


VVN-BDA Aktuell
IM GESPRÄCH MIT: Enrico Hilbert


Stolpersteine mahnen auch zur Eintracht

In Chemnitz wird das Projekt „Stolpersteine“ weitergeführt. Im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Abschluss des Projekt „Stolpersteine“, bei dem in den ersten  Oktobertagen zum Zeichen der Erinnerung an während der Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern und Vernichtungslagern ermordeter Bürgerinnen und Bürger der Stadt weitere 6 dieser Erinnerungsmahle verlegt wurden, informierte der VVN-BdA Stadtvorstandsvorsitzende von Chemnitz, Enrico Hilbert, über Vorbereitungen für 2009. Demnach wird bereits jetzt begonnen, namentliche Vorschläge für die im nächsten Jahr zu ehrenden Bürger entgegen zu nehmen. (Adresse siehe unten)
Die Würdigung könne dann, in bewährter Weise, gemeinsam mit der Stadt Chemnitz und dem Bildhauer Gunter Demnig, direkt am Ort erfolgen.

Antifaschisten wenden sich gegen Extremistenbezug

In den letzten Tagen und Wochen gingen Enrico Hilbert,  dem  VVN-BdA Vorsitzende von Chemnitz, auch besorgte Fragen und Stellungnahmen von Bürgerinnen und Bürgern zu, die sich auf jüngste Veröffentlichungen in Sachsen zum Verhältnis Extremismus – Antifaschismus beziehen. VVN-BdA aktuell führte dazu folgendes Gespräch.

aktuell: In einem vom CDU-Landtagsfraktionsvorsitzenden Steffen Flath unterbreiteten Grundsatzpapier wurde im Zurückdrängen der NPD eine Aufgabe gesehen, die „antiextremistisch, nicht antifaschistisch orientiert“ sei. Und Eckhard Jesse, Politprofessor an der TU Chemnitz, glaubt unter Bezug auf das Grundgesetz: Wir haben eine antiextremistische Ordnung, keine antifaschistische“.

Enrico Hilbert: Dazu nahmen Antifaschisten der Stadt Chemnitz  in einem Offenen Brief, der auch dem Stadtvorstand der VVN-BdA vorliegt, Stellung.  
An den Präsidenten des Sächsischen Landtages, Erich Illtgen gerichtet heißt es ua:

…Gleichwohl, von Herrn Flath gehen in diesen Tagen wieder Signale aus, die auch uns partei- und organisationsunabhängigen Antifaschisten aufhorchen lassen, ja empören müssen.
Bei aller Auseinandersetzung mit seinen linken politischen Gegnern – die  Antifaschisten auch nur in geistige Nähe mit Extremismus zu bringen, ist empörend. Wir Antifaschisten sind antiextremistisch!   Mit der unseligen  Alternierung von antiextremistisch und antifaschistisch im Aufgabenkatalog der Sächsischen CDU, wird Misstrauen über die Grundgesetzestreue der Antifaschisten gestreut, wird das Gift der Zwietracht auch in die Netzwerke und Bürgerinitiativen gegen Rechtsextremismus gesät.
Aber: Wer Misstrauen sät, will Hass ernten.

aktuell:
Wie hält es die VVN-BdA mit der Grundgesetzestreue?

Enrico Hilbert: Wir sind ein Verband von Antifaschisten aus allen Teilen der Gesellschaft und bekennen uns zum demokratischen Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. – Das ist unser Satzungsgrundsatz und es  kann jeder nachlesen und überprüfen.

aktuell:
Wem also dienen die oben genannten Signale?

Enrico Hilbert: Leicht zu verstehen, wem die Zwietracht nützten wird. Peinlich und vergessen der kürzlich erst erreichte Konsens der Demokraten gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.

aktuell: Vielleicht auch vergessen die Antifaschisten in den eigenen Reihen?

Enrico Hilbert: Vergessen womöglich z.B. die Männer, die, weil eben auch „nur“ antifaschistisch orientiert, im KZ Sachsenburg  getötet, gedemütigt, erniedrigt wurden? Unter den dort zwischen 1933 und 1937 mehr als 2000 „extremistischen“ Häftlingen waren z.B. eben auch 21 evangelische und drei katholische Geistliche. Der ehemalige Kultusminister sollte es wissen.

Man stellt sich schon die Frage: Welche Signale erleben wir, wenn jetzt an den Rednerpulten und Hochschulkathedern des Freistaates, vorgeblich unter Flagge des Grundgesetzes und der „Freiheit der Wissenschaft“,  der alles gleichmachende Hobel gegen eine antifaschistische Orientierung angesetzt wird? Wenn wieder – wie gehabt – die Berge von Millionen Leichen gleichgesetzt werden mit den Aktenbergen, die von der DDR geblieben sind?

aktuell: Nochmals zum Selbstverständnis. Wie steht der Verband zu Extremismus und Gewalt?

Enrico Hilbert: Unser Verband ist offen für alle Bürger die bereit sind, etwas gegen Gewalt, Rechtsextremismus und für die Verteidigung der Demokratie und des Friedens tun.   
Das spiegelt sich übrigens auch in den Namenslisten derer wieder, für die wir alljährlich mit den „Stolpersteinen“ ein Zeichen der Erinnerung setzen und in unserem Wirken für Eintracht aller Demokraten.