Detailansicht für News

< Diskussion/ Kommentierte Gegenwart
Donnerstag, 02.02.2012 18:07 Alter: 107 Tage
Kategorie: Lesermeinungen

Nachfragen


NACHFRAGEN

Als hier Adam grub und Eva spann…
Beim Thema Geschichtsvergessenheit  alles wie erwartet? 
1. 
"Nicht vergessen – Das  Gefängnis auf dem Kaßberg in Chemnitz war ein Ort mit mehrfacher Vergangenheit",  mahnten Antifaschisten als im Mai letzten Jahres die Herren Jahn und Heitmann von der BStU in Berlin und Chemnitz, unterstützt von einigen GRÜNEN, medienwirksamen eine Kampagne zur Einrichtung einer Gedenkstätte zum Häftlingsfreikauf in der DDR- Zeit starteten. Während es dort um "Ein Tor in die Freiheit" handelte, war es für Antifaschisten das Tor zum Tod oder in ein Nazi- KZ wurde erinnert. 

Unter Bezug auf die Nazi-Terrorgruppe, die vor kurzer Zeit zeitweise auch am Chemnitzer Hutholz Unterschlupf gefunden hatten, sogar vis-a-vis von dem Ort, an dem, in den letzten Kriegstagen 1945 von den Faschisten sieben aus dem Kaßberg- Gefängnis bei einem Bombenangriff entwichene Antifaschisten ermordet wurden! verlangten Antifaschisten:  "Gerade in jüngster Zeit sollte es für alle Demokraten – unabhängig ihrer Zugehörigkeit zu politischen Parteien – genügend Anlass geben, darüber nachzudenken."  

Von Aktivisten der Kampagne kamen hingegen die Antwort man sei "überzeugt, dass sich der Verein der gesamten Geschichte des Gebäudes bewusst ist und keinesfalls eine Gleichsetzung von Nationalsozialismus und DDR beabsichtigt". – Was von den Antifaschisten, angesichts anderer trauriger Erfahrungen im sächsischen Freistaat,  mit wohlwollender Skepsis gesehen wurde.  
2.
Und, wie ist es seitdem damit bestellt? 
In der darauf folgenden Zeit stand alles im Zeichen jener, für die der Karl-Marx-Städter Kaßnerg ein "Tor zur Freiheit" wurde; im Zeichen des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen-Behörde, Roland Jahn, ab 1983 schon Bundesbürger, bzw. des 1969 in Hamburg geborene und seit einem Jahr mit der Leitung der Chemnitzer Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen  betraute Clemens Heitmann. "Hoffentlich klappt das mit dem Museum" war zu lesen, von einem der 1980 Freigekauften, der heute noch in Nordrhein-Westfalen als Pfarrer lebt und arbeitet. – Sie werden gefeiert, stellten ihre im Westen verfasste Bücher vor, werden zu Gesprächforen gerufen… 
Vom sicheren Ufer hörten sie seinerzeit von "der Wende" in der DDR, die andere ereichten. 
Nun, die gekämpft haben, haben eben nicht gesiegt. Die gesiegt haben, haben nicht gekämpft. – in diesen Tagen wird es deutlich. Medienwirksam! ?
3.
MERKWÜRDIGKEITEN
Der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maiziere (CDU) stellte (in der FP 4.8.08) fest: „Es gab in der DDR vielleicht zwei Prozent Opfer und vielleicht drei Prozent Täter“. Und auch der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner (SPD) sprach in „Versucht es doch!“ von den siegreichen 3 Prozent.  Gegenüber also die  "restlichen 97 Prozent" anderen „Wendeteilnehmer“. Allenthalben wird aber jetzt beim Erinnern das Hohelied der 3 Prozent angestimmt.
4.
Nein, die Antifaschisten sind nicht Geschichtsvergessen! Die Frage nach den Helden stellt sich immer. 
Einen für die hiesige BStU besonders eifrigen jungen Lokalredakteur wurde angesichts der von ihm leidenschaftlich betreuten Kaßberg- Kampagne und einer 5 spaltigen Aufmachung: "Hoffentlich klappt das mit dem Museum" die Frage vorgelegt: Welche Helden feien Sie hier? – Doch die "Über den Kaßberg in die Freiheit" gelangten, / die "durch das Tor in die Freiheit" gebracht wurden… Die 3 Prozent also.
Nun gut und schön, nur sei auch gesagt: 


Vergessen nicht: Nicht sie waren es… 
nicht der freigekaufte große Edelmann Jahn, der heutige NRW- Pfarrer Stork, der junge Hamburger Heitmann, die die Wende vollbrachten!
Wir, die 97er waren es! 
Wir, die wir hier auf der Straße und in den Betrieben und Kasernen dafür agitierten, dass es zu keinen Rumänischen Verhältnissen kam. Wir, die dafür sorgten, dass der Verkehr weiter rollte, die Schulen offen, die Kühe gemolken und die Schweine gefüttert wurden….
Wir bleiben hier! Keine Gewalt! Das waren unsere Losungen. 
Wir, die wir uns am Runden Tisch noch gekümmert haben. (Übrigens ein Tagungsort für den Bezirk war das FORUM, was heute vor dem gnadenlosen Abriss steht.)  – Ja, auch dort, in manch großer Runde, gab es die ganze Bandbreite der Charaktere. Mithin gab es dabei freilich auch ganz „normale Schleimscheißer". Manchen Dackel, der sich für ein Windhundrennen befähigt fühlte.
Den einen oder anderen von all denen konnte man später in hohen und höchsten Ämtern der ,,neuen  Welt" des real existierenden Neoliberalismus begegnet, und  man hörte andere sich über ihren Wandel vom Saulus zum Paulus rühmen. Wieder anderen, die anfänglich konstruktiv und vernünftig am Runden Tisch mitwirkten, begegnet man noch zwei Jahrzehnte später, als ,,Aktenkeuler" und McCarthy der Jetztzeit.

Und es war die Zeit als Stanislaw Tillich noch den Handel und die Versorgung im Kreis Kamenz organisierte, Steffen Flath noch im ACZ Schlettau die sozialistische Landwirtschaft nach Kräften unterstützte, der Bernd Merbitz noch ein rotes Parteibuch in der linken Brusttasche seiner grünen Uniform trug … Mithin die Zeit, als sie alle noch nichts dagegen hatten, wenn man sie als Antifaschisten bezeichnete. 
Alles hat es gegeben, nur die heutigen Edelmänner waren hier sehr, sehr rar. 

Dies alles sollte des Merkens wert sein. Merkwürdigkeiten. – Was bleibt davon?
ES BLEIBT DIE FRAGE: ALS HIER ADAM GRUB UND EVA SPANN, WO WAR DENN DA MANCH EDELMANN? 
Die Antwort darauf weiß zum Glück nicht nur der Wind.

P.J.