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Donnerstag, 10.06.2010 19:37 Alter: 2 Jahr/e
Kategorie: Sachsenburg
Von: Paul Jattke

Information der LAG KZ Sachsenburg


Umdenken zu Sachsenburg angemahnt

Gedenken an frühes KZ stößt in

Öffentlichkeit auf wachsendes Interesse

Das von der LAG organisierte diesjährige SACHSENBURG – GEDENKEN Anfang Juni (5./6.6.2010) fand das Interesse einer größeren Öffentlichkeit. Sowohl Diskussionen und Vorträge im Rahmen des SACHSENBURGER - DIALOGES, geführte Rundgänge über das Gelände des früheren KZ, Zeitzeugengespräche, eine Ausstellung und die abschließende Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die weit über 2000 KZ- Häftlinge, waren stärker besucht als in den Vorjahren. Zudem wurde den Frankenbergern und ihren auch aus anderen Bundesländern angereisten Gäste in der Kirche St. Aegidien ein Gedenkkonzert mit Esther Bejarano (Jahrgang 1924), einer Überlebenden des KZ Auschwitz und ihrer Gruppe „Coincidence“ unter dem Titel „Per la Vita“ - Für das Leben, geboten.


Mahnende Worte zur Gedenkarbeit

An der Gedenkveranstaltung am Denkmal vor dem ehemaligen Fabrikgebäude an dem Zschopau- Fluss in Sachsenburg nahmen 160 Angehörige und Leidensgefährten ehemaliger Häftlinge, Mitglieder der Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Buchenwald – Dora und Antifaschisten aus der Region und auch aus anderen Bundesländern teil.

Hier fanden Dr. Ulli Schneider, Generalsekretär der FIR (Fédération Internationale des Résistáns) und Horst Wehner, Vizepräsident des Sächsischen Landtages (DIE LINKE) große Zustimmung für ihre aufrüttelnden Worte.

Dr. Schneider ging auf Entwicklungen im heutigen Europa ein und erinnerte: „geschichtspolitischen Konfliktlinien sind nicht zu übersehen. Diese historische Wahrheit wird zunehmend verdrängt. Die Verbrechen des Faschismus werden relativiert, Kollaborateure rehabilitiert und zu „Freiheitshelden“ stilisiert.

Wir verwahren uns gegen alle Versuche der Etablierung eines reaktionären Geschichtsbildes – geprägt von Totalitarismusdoktrin und Geschichtsverfälschung – in Europa.“

Und an anderer Stelle sagte der FIR- Generalsekretär: „Auch in unserem Land finden wir immer wieder Ansätze von Umdeutung von Geschichte.

Dagegen ist geschichtspolitisches Handeln in antifaschistischer Perspektive dringend geboten. Wir müssen nicht nur der Opfer gedenken, auf die Verbrechen und die Täter hinweisen, sondern auch an die Frauen und Männer aus dem antifaschistischen Widerstand erinnern. Der SACHSENBURGER – DIALOGE und die Gedenkveranstaltung hier am Mahnmal, ist ein wichtiger Mosaikstein in dieser Auseinandersetzung.“

Unter dem Beifall der Veranstaltungsteilnehmer übergab Dr. Schneider zur geschichtspolitischen Erinnerungsarbeit eine vom Belgischen Institut des Vétérans vorgelegt Landkarte mit den faschistischen Konzentrationslagern und Haftstätten. Von Polen bis Belgien, Dänemark bis Frankreich und Österreich. Weit über 2000 Orte, an denen sich oftmals nicht nur ein Lager bzw. eine Haftstätte befand, sind dort aufgelistet – natürlich die Sachsenburg mittendrin.

Große Zustimmung fand der Vizepräsident des Sächsischen Landtages, Horst Wehner, als er sagte: „Nicht unerwähnt lassen will ich auch, dass die Erinnerungspolitik im Freistaat Sachsen in der Kritik steht.

Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, hat die Kritik an der Gedenkstättenpolitik der sächsischen Staatsregierung in das Bild einer Waage gekleidet. Die Waage, mit der die „doppelte Vergangenheit“ der Deutschen gewogen werde, neige sich im Freistaat Sachsen zugunsten der Opfer des SED-Regimes, sagt Salomon Korn. Die Verbrechen des Naziregimes werden dagegen als weniger schwerwiegend empfunden. Das führt dazu, dass der Zentralrat der Juden Anfang des Jahres 2004 seine Mitarbeit in der Gedenkstättenstiftung einstellt. Diesem Schritt schließen sich die übrigen NS-Opferverbände der Sinti und Roma, der Wehrmachtsdeserteure, der Verfolgten des Naziregimes und der jüdischen Gemeinde in Dresden an. Dieser unhaltbare Zustand dauert bis heute an. Erst dieser Tage zeichnet sich eine Lösung ab. Der Zentralrat der Juden und die anderen NS-Opferverbände erwägen in die Gedenkstättenstiftung zurückzukehren. Sie tun das allerdings nur unter einer Bedingung: Das Stiftungsgesetz müsse geändert werden. Es dürfe keine Gleichsetzung von NS-Verbrechen und den Untaten in der DDR mehr geben.“

Dem Europäischen Parlament muss entsprochen werden

Hinter diese Forderung stellt sich auch die LAG Sachsenburg. Sie verlangt: In der Landesregierung und ihren Gedenkstätten-Institutionen ist ein Umdenken bei der Bewertung von Sachsenburg als größtes und am längsten bestehendes Konzentrationslager in Sachsen nötig. Zumal hier nicht das Scheinargument zieht, es handele sich um einen „Ort mit doppelter Vergangenheit“. Mit großer Sorge ist zu beobachten, dass in der Gedenkstättenarbeit Sachsens offensichtlich die von der DDR hinterlassenen Aktenberge höher gewichtet werden, als die Leichenberge der Faschisten.

Endlich ist im Sinne Entschließung des Europäischen Parlamentes(0284/93)zu handeln und das „Konzentrationslager als historisches Mahnmal“ unter Schutz zu stellen.

 

Der erste Lagerappell fand im KZ Sachsenburg im Juni 1933 statt. Bereits vom 2. bis 15.Mai 1933 befanden sich jedoch schon Häftlinge auf dem Schloss Sachsenburg, die zur Errichtung des Lagers eingesetzt wurden. Das Lager war das größte und am längsten bestehende in Sachsen. Die letzten Häftlinge wurden im Spätsommer 1937 nach dem Ettersberg bei Weimar verbracht, um dort das KZ Buchenwald mit aufzubauen.

 


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