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Kategorie: Lesermeinungen
Von: Paul Jattke
Diskussion/ Kommentierte Gegenwart
Diskussion/ Kommentierte Gegenwart
Erinnerungskultur – nur aus dem Blickwinkel der BStU?
Ist der Briefwechsel, von dem hier die Rede sein wird, ein Spiegelbild dieser Zeit? –
Zur Erinnerung, da hatten Ende November 2011 Angehörige und Nachkommen von Opfern des Faschismus an die "Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin" in einem OFFENEN BRIEF (Siehe auch www.vvn-bda-chemnitz.de) gebeten, sich in der Stadt Chemnitzer nicht abbringen zu lassen von einer Erinnerungskultur wie sie vom ehemaligen Bundespräsidenten Herzog und dem ehemaligen Chemnitzer Oberbürgermeister Seifert in Worte gefasst wurden: Die Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand darf nicht enden!
Man möge nicht dem Mainstream erliegen, der alles und jedes durch eine anti- DDR Brille sehen will. (Weil er dann logischerweise zu solchen gedanklichen Schrott führt wie unter der Überschrift "Aus Klassenhass wurde Rassenhass" in der Freien Presse [2.1.2012] vorgebracht.)
Unter Bezug auf die Nazi-Terrorgruppe, die zeitweise auch am Chemnitzer Hutholz, sogar vis-a-vis von dem Ort, an dem, in den letzten Kriegstagen 1945 von den Faschisten sieben aus dem Kaßberg- Gefängnis bei einem Bombenangriff entwichene Antifaschisten ermordet wurden! Unterschlupf gefunden hatten, hieß es "Gerade in jüngster Zeit sollte es für alle Demokraten – unabhängig ihrer Zugehörigkeit zu politischen Parteien – genügend Anlass geben, darüber nachzudenken."
Deshalb wurde der OFFENEN BRIEF / BLEIBEN WIR DEN OPFERN DES FASCHISMUS VERPFLICHTET auch weiteren Repräsentanten des Öffentlichen Lebens der Stadt, Rathausfraktionen, Organisationen und Medien vorgelegt.
Die Absender des OFFENEN BRIEFES erhielten unter dessen interessante Antworten von der Stadtratsfraktion der LINKEN, der Fraktion der GRÜNEN und dem Bürgermeisteramt der Stadt.
Die Amtsleiterin des Bürgermeisteramtes von CHEMNITZ / STADT DER MODERNE bedankte sich im Brieftext mit "im Auftrag der Oberbürgermeisterin für die Zusendung des Offenen Briefes der Angehörigen und Nachkommen der Opfer des Faschismus.
Diesen habe ich dem Leiter der BStU, Außenstelle Chemnitz, Herrn Dr. Clemens Heitmann zur Information und weiteren Verwendung zugeleitet."
Wir merken: Offen sichtbar wird hier, wer hierzulande inzwischen das Sagen in Sachen Erinnerungskultur hat. Sichtbar auch schon wohin der € weiter rollen wird? Nun, der junge Herr Dr. Clemens Heitmann – der denen, die nicht gleich seiner Argumentation folgen wollen, schnell mal Geschichtsvergessenheit vorwirft – hat wohl bis dato keine weitere Verwendung für den OFFENEN BRIEF gefunden. Sucht er noch? Man weiß es nicht. Er wird es – wie zu erwarten – bestimmt sehr gründlich machen.
Steht er doch einer Behörde vor, der es, wie kaum in einem anderen demokratischen Land weit und breit möglich, gelungen ist, von der Politik ein rückwirkendes Gesetz nach Wunsch zu bekommen, nach dem eigene Prioritäten bei der Erinnerungskultur gesetzt werden. – Ach hätten doch die Antifaschisten auch solch eine Lobby.
P. Jattke Januar 2012
"Wer die Erinnerungen eines Menschen, aber auch eines Volkes beherrscht, beherrscht auch diesen Menschen oder dieses Volk. In den Geschichtsbüchern steht immer auch Politik; um Denkmäler entbrennen politische Auseinandersetzungen, welche Akten in Archiven verstauben, welche von Behörden gepflegt und verwaltet werden, ist eine politische Entscheidung.
Das hat auch die deutsche Wiedervereinigung gezeigt, in der die Untugenden der Stasi öffentlich gemacht wurden, während die Geheimnisse des BND Geheimnisse bleiben durften.
(Der Münchner Psychoanalytiker Dr. Wolfgang Schmidtbauer / In „Flüchtig oder unauslöschlich, kostbar oder qualvoll: Die Magie der Erinnerung“)


