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Chemnitzer Kameraden ber der Ehrung der Opfer von Lidice am 11.06. 2016
Ehrung in Lidice 2016
Ehrung in Lidice 2016
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Ehrung in Lidice 2016
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wir laden Sie/ Euch recht herzlich zu unserem 7. Sachsenburger Dialog vom 03.-05.06.2016 nach

Frankenberg und Sachsenburg ein.

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Am 8. Mai gedachten über 100 Jugendliche, Frauen , Männer aus Chemnitz und Umgebung des Tages vor 71 Jahren, der der Greul der faschistischen Barbarei...

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An der Thälmann-Büste am Chemnitzer Schlossteich gedachten am 16. April 2016 rund 20 Chemnitzerinnen und Chemnitzer dem Kommunisten und unbeugsamen...

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Chemnitz – Auschwitz und zurück. Aus dem Leben von Justin Sonder

Margitta Zellmer

Chemnitz – Auschwitz und zurück. Aus dem Leben von Justin Sonder

„Je älter ich werde, umso mehr kommen mir Fragen: Ist das wirklich wahr, dass du das überlebt hast? Wie kann man so etwas überhaupt überleben? Ich kann das selber manchmal kaum fassen. Wenn ich gefragt werde, ob ich noch jüdischen Glaubens oder gar konvertiert bin, sage ich nur: ‚Der liebe Gott ist mir in Auschwitz abhanden gekommen.‘“ Der das sagt, ist Justin Sonder, ein Chemnitzer Jude, Jahrgang 1925, der mit 17 Jahren von Chemnitz aus nach Auschwitz deportiert wurde, zwei Todesmärsche überlebte und nach 1945 in seine Heimatstadt Chemnitz zurückkehrte. Hier fasste er wieder Fuß, wurde Kriminalist und gründete eine Familie. Bis heute ist er als Zeitzeuge des Holocaust in Schulen, Kirchgemeinden, Vereinen und als Gast in verschiedenen Orten in der Bundesrepublik gefragter Gesprächspartner.

„Aus seinem reichen Leben gibt es viel, was an Erinnerungen nicht verloren gehen darf. Das historische Gedächtnis unserer Heimat braucht diese Geschichte, um in der Zukunft nicht mehr zuzulassen, dass Menschen aus unserer Mitte solches Leid zugefügt wird. Es braucht auch diese Episoden von Lebensmut, Optimismus und Humor, die Justins Leben ausmachen“, schreibt Enrico Hilbert, Vorsitzender des Chemnitzer Stadtverbandes der VVN/BdA in seinem Vorwort zu dem Buch „Chemnitz – Auschwitz und zurück“. Dieses Buch zeichnet das Leben von Justin Sonder, sein Wirken und seine Erlebnisse in unserer Stadt nach. Einer breiten Öffentlichkeit soll mit diesem Buch die Möglichkeit gegeben werden, sich einen Zugang zu diesem Teil unserer Geschichte zu erschließen.

Margitta Zellmer hat das Leben von Justin Sonder aufgeschrieben und die Biografie mit Informationen zu Orten, geschichtlichen Zusammenhängen und Persönlichkeiten ergänzt.

Das Buch ist ein Projekt des Klinke e.V. und wurde vom Lokalen Aktionsplan für Demokratie und Toleranz der Stadt Chemnitz gefördert. (MZ)

Das Buch ist erhältlich über folgenden Kontakt, über den auch Lesungen vereinbart werden können:

Soziokulturelles Zentrum „QUER BEET“

Rosenplatz 4 | 09126 Chemnitz

Tel.: 0371 5 90 59 48 | Mail: mail(at)querbeet-chemnitz(dot)de.

Ein bekannter Chemnitzer, weit über die Grenzen seiner Stadt hinaus.
Justin Sonder im Gespräch mit Margitta Zellmer bei der Besprechung des Buches

Justin Sonder (*1925)

Ein bekannter Chemnitzer, weit über die Grenzen seiner Stadt hinaus. Dies nicht ohne Grund.

Justin Sonder ist ein gefragter Gesprächspartner. Schulen, Lehrerkollegien, Vereine und seine Freunde laden ihn ein. Er ist wenn nicht überhaupt der letzte, doch zumindest der letzte Chemnitzer Bürger, der das Vernichtungslager Auschwitz überlebte, in seine Heimat zurückkehrte und bis heute in Chemnitz lebt.

Sein Terminkalender weißt kaum Lücken auf. Fast täglich, oft zweimal, besucht er eine Schule, in Chemnitz, in Döbeln, in Annaberg oder Hoyerswerda. „Mit siebzehn an der Rampe von Auschwitz.“ – so der Tenor seines Vortrages.

Doch bevor er nach dem Osten deportiert wurde wuchs er vorerst wie alle Chemnitzer Kinder auf. Erlebte die Zeit von Weimar und den Beginn des deutschen Faschismus. Er hat Kenntnis von Verfolgung und Widerstand, erlebte die Gettoisierung in Chemnitz in den sog. Judenhäusern, den Abtransport seiner Eltern.

Zwangsarbeit und Hilfsarbeit bei den Deportationen aus Chemnitz folgten.

Widersetzen war kaum möglich, ziviler Ungehorsam war für Justin fast Pflicht. Er entfernte nach Kriegsausbruch Propagandaplakate der Nazis und konnte heimlich den Kontakt zu Menschen halten, die ihn nicht vergessen hatten und ihrerseits zivilen Ungehorsam leisteten.

In Auschwitz gehörte Justin Sonder als jüngstes Mitglied zum organisierten Lagerwiderstand und beteiligte sich an Sabotageakten. Über jeden Tag im Lager könnte er wohl einen Roman schreiben.

Nach dem Todesmarsch, landete er im Bayrischen Lager Flossenbürg, ein berüchtigtes KZ, tot durch Arbeit war hier die Methode der Vernichtung. Auch hier zeigte er Mut und setzte sich nach Möglichkeiten auch für seine Kameraden ein.

Nach der Befreiung durch die US Army, kehrte er nach Chemnitz zurück. Die Mutter war von den Nazis ermordet, der Vater starb bald an den Folgen der Haft und Entkräftung.

Justin Sonder wirkte sofort am Wiederaufbau der schwer zerstörten Heimat mit. Wurde Mitglied in der SPD. Die erste Enttrümmerung in Chemnitz wurde durch die Zurückgekehrten Verfolgten des Naziregimes und Kämpfer gegen den Faschismus geleistet.

Seinem Wunsch nach einem Beruf bei der Polizei wurde auf Grund des Alters lange nicht stattgegeben, doch Beharrlichkeit führte zum Ziel. Er wurde Polizist und war an der Aufklärung zahlreicher Verbrechen, Morden als Kriminalist und auch als Zeuge in Prozessen gegen einstige Nazis beteiligt.

Sein Engagement galt aber auch seinen Leidensgefährten, so setzte er sich für die Anerkennung von Kameraden als Opfer des Faschismus ein, wenn dies nicht opportun erschien oder wenn sie auf Grund aktueller Konflikte Gefahr liefen, ihren anerkannten Status zu verlieren. Die Anerkennung als OdF bedeutete für viele eine tatsächliche und dringend notwendige Lebenshilfe und war auch eine moralische Stütze.

Sein gesamtes bisheriges Leben lang wirkte er im Sinne der Erinnerung an die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, damit es sich nicht wiederhole.

Nach dem politischen Umbruch war er gefragter denn je. Neu erstarkende Strukturen der Neonazis und ihr wirken forderten, dass die demokratischen Kräfte der Gesellschaft sich diesem Problem stellten, somit begann sein Weg als „Zeitzeuge“. Auch Drohungen gegen ihn und seine Familie schrecken ihn nicht.

Er begleitete die zahllosen Projektfahrten nach Auschwitz und an andere historische Orte der Verfolgung in der NS Zeit, ohne lange selbst nach dem Ort seines Leidens zurück zu kehren.

Dazu lud ihn der Bundespräsident Christian Wulf persönlich und Justin Sonder ließ sich darauf ein. Er war der einzige Überlebende der deutschen Delegation, die erstmals mit dem Staatsoberhaupt am Gedenken teil nahm, der tatsächlich in Deutschland geboren wurde und während der NS Zeit hier lebte.

Die Stadt Chemnitz würdigte ihn mit der Eintragung in das „Goldene Buch“ der Stadt und er erhielt den Chemnitzer Friedenspreis, er ist Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Sachsen.

Aktuell sind Winterferien und es gibt keine Termine an Schulen, dafür sind die Interessierten nun bei ihm, um Projekte und neue Ideen mit ihm zu besprechen, denn er ist eben auch einer der letzten Zeugen für die Zeit in Chemnitz vor 80 Jahren, der sich haargenau erinnern kann und so viel selbst erlebte und erdulden musste.

3. Februar 2013, Enrico Hilbert

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Kurt Pätzold - Faschismus-Diagnosen

Pätzold befasst sich u.a. mit der Unvollkommenheit der fälschlicher Weise Georgi Dimitroff zugeschriebenen Faschismus-Definition: „Der Faschismus ist die offene terroristische Diktatur der am meisten reaktionären, chauvinistischen und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“. Nach Kurt Pätzold sei eben der Faschismus nicht nur Sache einer übergeschnappten Elite gewesen. Auch wenn diese politische und wirtschaftliche Elite vom Faschismus profitierte. Um ein solches Weltverbrechen zu begehen, bedurfte es einer Massenbasis, die sich die Faschisten erfolgreich eroberten. Da ist seine Analyse des Begriffs „Nationalsozialismus“ nur folgerichtig. Der Historiker weist nach, dass wir heute mit dessen Verwendung nichts anderes tun, als die Demagogie, die ihm innewohnt, zu manifestieren. Pätzold plädiert für die Verwendung des Begriffs „Faschismus“, da der Name „Nationalsozialismus“, den die Faschisten selbst kreierten, eine Revolution vorgaukeln sollte, die keine Revolution war. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung hatte auch nach der Machtübergabe an die Faschisten Bestand.

Wenn der Historiker an den Beginn seiner Einführung Max Horkheimer mit den Worten zitiert: „Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“ (1939), klingt das wie eine Mahnung an alle Linken, und einigen Parteimitgliedern selbst auf höherer Ebene dürfte es beim Lesen in den Ohren pfeifen. Kurt Pätzold hätte auch schreiben können: Antifaschismus ohne Antikapitalismus ist vergebliche Liebesmüh’.

Pätzolds neues Buch ist ein Muss für jeden Antifaschisten und all jene, die sich mit dem Entstehen faschistischer Strukturen auseinandersetzen. Ein sehr übersichtliches Quellen- und Personenverzeichnis erleichtert dazu weitere Recherchen.

Jonny Michel

Kurt Pätzold, Faschismus-Diagnosen, Broschüre, verlag am park Berlin,

139 Seiten, ISBN 978-3-945187-42-5, 12,99 Euro

Lesermeinungen

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